Greti Caprez, geborene Roffler, 24 Jahre alt reist nach 10 Monaten Aufenthalt alleine von São Paulo nach Zürich zurück um ihr Schlussexamen in Theologie ab-zuschliessen. Danach wird sie bei ihren Eltern in Igis (Graubünden) ihr erstes Kind zur Welt bringen. Ihr Mann, Gian Caprez, 25-jährig bleibt bei seiner Arbeit als Ingenieur am Polytechnikum in Brasilien…Wenn man das liest, klingt es nicht nach einer einzigartigen Geschichte aus dem Leben einer Frau. Doch das Buch zauberte mir oft ein «Schmunzeln» ins Gesicht, denn GretiCaprez war für ihre Zeit alles andere als eine gewöhnliche Frau. Als junge Mutter und Theologin wurde sie am 13. September 1931 im Bündner-bergdorf Furna als Pfarrerin gewählt. Eine Emanzipations-Geschichte einer Frau, wie sie ihrer Berufung nachgegangen ist, Mutter zu sein, eine glückliche Liebe und eine erfüllte Sexualität lebte. Eine Frau, deren Mut einen hohen Preis hatte - nicht nur für sie.

Buch des Monats_1

Tage mit Felice  /  Fabio Andina

Ein Bergdorf im Tessin. Das frisch gestrichene Gemeindehaus, die Bar, wo der Alkohol fliesst, der Schulbus aus Acquarossa, der Bauer Sosto, der letzte, der Kühe hat. Das Dorf von Felice. Vor dem ersten Hahnenschrei bricht er auf, der alte Kauz, der meistens barfuss läuft, um in einer Gumpe weit oben hinter dem Kiefernwald zu baden. Auch bei Regen, auch bei Schnee. Danach hackt er Holz, pflückt im Garten Kakis, und wenn er im Wald Pilze findet, kommt er mit Käse zurück. Der junge Mann aus der Stadt, der mit ihm geht, entdeckt eine nie gesehene Dunkelheit, eine Stille, die hörbar, eine Kälte, die Hitze wird – und so manches Geheimnis um den neunzig Jahre alten Mann. Ihm wird klar: Wir dürfen uns Felice als glücklichen Menschen vorstellen. 
Tage mit Felice ist ein minimalistisch erzählter Roman über die Kunst des einfachen Lebens und zugleich das Porträt eines Dorfs im 
Bleniotal. Dort oben, den Härten der Jahreszeiten ausgesetzt, wo niemand ein leichtes Auskommen hat, sind die Menschen rau und wortkarg und lieber mit den Tieren zusammen. Und doch ist da eine starke Gemeinschaft, die Leben und Tod und den Einbruch des technischen Zeitalters ganz selbstverständlich teilt. Eine ergreifende, entschleunigende Lektüre.

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